Beiträge zur Lokomotiv- und Eisenbahngeschichte

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Zur Identität der OHE 92 110

(von Ingo Hütter)


Noch immer unklar ist die Identität der OHE-Dampflokomotive 92 110. Die im ersten OHE-Buch auf den Seiten 31/32 angegebene Herkunft ist nach neuestem Forschungsstand eher unwahrscheinlich. Doch zunächst die bekannten Informationen:

Die OHE legte von allen Ihren Lokomotiven Karteikarten an - die von der 92 110 ist untenstehend wiedergegeben.

Danach war die ehemalige Lok 10 der Kleinbahn Celle-Wittingen im Jahr 1915 von der Union-Gießerei in Königsberg mit der Fabriknummer 9226 erbaut worden - angegeben wird diese Fabriknummer sowohl für den Rahmen als auch den Kessel.
Offensichtlich war man beim Zusammentragen der Daten nicht sonderlich gewissenhaft, den das angegebene Beschaffungsjahr 1925 ist eindeutig falsch. Aus den bis 1936 vorliegenden Geschäftsberichten geht hervor, daß die Kleinbahn keinen Vierkuppler von der Reichsbahn erworben hat und auch in dem offiziellen Fahrzeugverzeichnis der Bahn von 1934 ist die Lok 10 nicht enthalten.

Bestätigt werden die oben genannten Kesseldaten allerdings in der OHE-Inventur von 1948:

Leider können diese Angaben aber nicht stimmen, da die höchste jemals von Union vergebene Fabriknummer die 2842 war. Allgemein wurde daher angenommen, daß es sich um einen Schreibfehler handelte und die Nummer 2226 die tatsächliche Fahriknummer gewesen ist, denn dies war tatsächlich eine 1915 gebaute T13. Bei der KPEV trug die Lok die Nummer "BRO 7909 T13", kam 1918 oder 1920 nach Polen (von der PKP als TKp1-26 eingereiht) und 1941 wieder an die Deutsche Reichsbahn als 92 973. Von dieser soll die Kleinbahn Celle-Wittingen die Lok 1943 erworben haben. Nun gibt es aber zwei Hinweise, daß die oben genannte Vermutung falsch zu sein scheint. Zum einen schreibt der PKP-Umzeichnungsplan von 1946, daß mit der neuen Nummer TKp1-46 die DRB 92 973 eingereiht wurde. Zum anderen gibt die Kesselliste der PKP an, daß die TKp1-46 den Kessel "Unio 15/ 2226" trug. Also verblieb die 92 973 mit recht großer Wahrscheinlichkeit auch wieder in Polen.

Dadurch daß es andererseit auch eine T13 mit der Fabriknummer 9226 gegeben hat, wird die Geschichte noch ein wenig problematischer. Unter dieser Nummer wurde nämlich 1919 von Hanomag eine Maschine an die Großherzoglich Oldenburgische Eisenbahn (GOE) geliefert. Bei der GOE lief sie zunächst als "277 RECKE" und wurde von der Reichsbahn 1925 in 92 912 umgezeichnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg verblieb die Lok in Rußland.

Unter Berücksichtigung aller Erkenntnisse vermute ich nun folgendes: Da bei der Reichsbahn Kesseltausche durchaus üblich waren, ist es möglich, daß der Kessel der GOE-Lokomotive im Laufe der Jahre auf einen Rahmen einer 1915 von Union gebauten Maschine kam. Möglicherweise hatte dieser Rahmen später kein Fabrikschild mehr, so daß von der OHE grundsätzlich die Fabriknummer des (Hanomag-)Kessels zusammen mit dem zumindest bekannten Rahmenhersteller angegeben wurden. Wenn diese Vermutung richtig ist, müßte es mindestens eine 1915 von Union gebaute T13 geben, deren Verbleib unbekannt ist - dies wäre dann die spätere OHE 92 110. Tatsächlich gibt es eine Lok, auf die diese Kriterien passen: Mit der Union-Fabriknummer 2230 wurde die "KAT 7962 T13" gebaut, welche ab 1922 "OPP 7962" hieß. Die Reichsbahn schließlich zeichnete sie 1925 in 92 802 um.

War die 92 802 nun die spätere OHE 92 110? Wie bereits dargelegt, ist dies nur eine Vermutung. Wenn einer der Leser weitere Puzzlesteine zu diesem Mosaik hinzufügen kann, wäre der Autor sehr dankbar.